Samstag, 3. Dezember 2011
Eine kleine Geschichte
Heute ist 150-taegiges Jubilaeum des Blogs daher eine kleine Geschichte - nun ja der kausale Zusammenhang ist schlichtweg falsch, aber trotzdem nun eine kleine Geschichte:

Nachdem mein Autostopperfolg nach Nizza merklich nachgelassen hat, entschied ich mich fuer die italienische Bahn als Verkehrsmittel.
Ich bin von Nizza in einem Tag nach Monaco gekommen, wo ich um 23 Uhr von einem Polizisten mit den Worten "Parle Francais ?" und einer Taschenlampe im Gesicht geweckt wurde. Ich brachte nur ein schwaches "une petit peu"" heraus, er verstand und erklaerte mir auf Englisch, dass in Monaco das Schlafen am Strand verboten sei. Ich husche also schnell ueber die Grenze und setzte meine Nacht am Grenzstrand fort - es schien, als ob dieser extra fuer die dem monacischen Strand verwiesenen Landstreicher angelegt waere.
Am naechsten Tag schaffte ich es bis zur italienischen Stadt Taggia, wo ich, wiederum von einem Polizisten, der Mautstation verwiesen wurde, da es illegal ist auf der Autobahn zu trampen. Es war dunkel und ich machte mich nun auf einen abenteuerlichen Weg in die Stadt, auf einer Strasse, ohne Lichter und Fussgaengerweg. Dort angekommen suchte ich mir ein Plaetzchen am Strand und entschied am naechsten Tag per Zug nach Rom zu fahren.
An dieser Stelle bin ich also nun 63 km in 2 Tagen mit Trampen gekommen. Mit guten Schuhen und guter Nahrung haett ich das auch erlaufen koennen.

Am naechsten Morgen setze ich meine Entscheidung in die Tat um, gehe also zur Bahnstation und kaufe ein Bahnticket. 12:11 abfahrt in Taggia - 21:57 ankunft in Rom.
""Das klingt abenteurlich - Nachtquartiersuche um 10 Uhr abends in Rom.", denke ich mir und freue mich.
Nach einem kleinen "Verlaufen/Spaziergang" in Genova, dies ist eine andere, in Zukunft bestimmt gern erzaehlte und zu haeufig gehoerte Anekdote, komme ich schlussendlich in Rom an.
Es ist wie erwartet 22 Uhr, ich habe keine Ahnung, wo ich schlafe und die Touri-Information ist geschlossen, ich habe also nicht mal eine Karte von der Stadt.
Ich verlasse den Bahnhof und schon haelt mir ein, nun ja, netter (?) Mann die Tuer auf. Er fragt ob ich ein Hostel fuer die Nacht habe, ich verneine und er bietet mir sein Bed & Breakfast an.
Ich, etwas misstrauisch, komme erstmal mit um mir das Ganze anzusehen und bin besonders aufmerksam bei Strassennamen und sowieso beim ganzen Weg. Ich bin mir nicht sicher, was ich von ihm halten soll, aber solange ich den Weg kenne und in Touristengegend bleibe, wird mir schon nicht so viel passieren, sofort abstechen wird er mich wohl nicht, also lass ich mich erstmal darauf ein.
In seinem Hostel angekommen ueberzeugt er mich, dass es ein "richtiges" Hostel ist, mit vorbereiteten Doppelbetten, Kueche und einem hostelworld.com-Account.
Ich gehe also auf seinen Deal ein mit 2 Naechten a 15€ anstatt einer Nacht a 20€.
Ich dusche, lege mich zu Bett und da Fernseher und Lich laufen schalte ich beides aus. Es ist etwas kuehl aber noch kein Problem.
Nach kurzer Zeit aber kommt mein "Gastgeber" herein, schaltet Lich und Fernseher ein und legt sich auf sein Bett. Ich schaue ihn etwas verwundert an, und er erkundigt sich bloss, ob mir kalt waere. Als ich es bejahe bekomme ich eine weitere Decke, die nicht viel nuetzt und ich frage ihn nach kurzer Zeit nach einer weiteren Decke.
Er verneint dies, bietet mir jedoch an, dass ich mit ihm in seinem Bett schlafen koenne, da es dort ja schoen warm ist. Ich lehne dankend ab, drehe mich zur Seite und warte bis Fernseher und Licht ausgehen.
Bevor dies moeglich ist schlaeft der "Gastgeber" ein und ich werde selbst taetig.

Am naechsten Morgen dann werde ich geweckt von, natuerlich, dem Fernseher. Italienisches Unterschichtenfernsehen auf Hoechstniveau.
Irgendwann stehe ich auf und ueberlege mir, wie ich moeglichst billig von diesem Ort wegkomme. Ich entschliesse mich ihn nach dem Fruehstueck (fuer welches ich selber in diesem "Bed and _Breakfast_ (!)" sorgen muss) mit den Tatsachen zu konfrontieren und zu verhandeln.
Doch bevor ich ihn zu Rede stelle klopft es einige Male an der Tuer. Es scheint nicht das Klopfen eines guten Freundes oder Verwandten zu sein.
Er macht bewusst nicht auf.
Danach bittet er mich, falls jemand fragt, zu sagen, dass ich als ein guter Freund bei ihm schlafe und nicht zahle. Er haette den Check-in "vergessen" und deswegen diese Umstaende.
"But I pay!", erwidere ich.
Dies nutze ich als Aufhaenger, weise ihn darauf hin, dass ich mich nicht als Gast, der zahlt, behandelt fuehle, heute gehen moechte und nicht 20€ zahlen moechte.
Wenn er den Check-in nicht vergessen haette, dann muesste ich jetzt 20 Ocken zahlen. Naja, hat er aber und meinem Gefuehl nach nicht voellig aus versehen.
Falls ich 10€ zahlen moechte, waer ihm das zu wenig. Er wollte mir ja nur einen Platz zum schlafen geben - und seine Wohnung finanzieren, so denke ich mir spaeter.
Als er ein weiteres mal 10€ ablehnt, geh ich gut gelaunt aus dem Haus und freue mich, dass ich ein weiches Bett, morgens wars sogar noch warm, da die Klimaanlage auf warm gestellt wurde, und eine heisse Dusche fuer lau hatte und nun einen ganzen Tag fuer die Hostelsuche in Rom habe.

und damit Gruesse aus Rom, einer Stadt in der man kleine Model Adolfs, Evas und Benitos kaufen kann, die dann wahlweise mit starrer Miene oder starrem Arm im Regal stehen koennen.

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